Mehrwertsteuer - Die Grundlagen

Wer die Mehrwertsteuer verstehen will, muss das System der Umsatzsteuer kennen. Die Mehrwertsteuer ist der Umsatzsteuer ähnlich, beide sind aber nicht identisch. Denn: Eine Ware kann mehrfach verkauft werden. Die Umsatzsteuer fällt dann auf jeder Stufe des Zwischenverkaufs an und muss von jedem Zwischenkäufer bis hin zum Endverbraucher erbracht werden. Die Umsatzsteuer ist dabei so ausgestaltet, dass sie erst die letzte Stufe des Verbrauchs belastet, unabhängig davon, wie viele Wirtschaftsstufen eine Ware oder Dienstleistung durchlaufen hat.

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Die Mehrwertsteuer hingegen spielt im unternehmerischen Bereich eine Rolle. Der gewerbliche Zwischenkäufer ist in Bezug auf die von ihm bezahlte Umsatzsteuer vorsteuerabzugsberechtigt und verkauft die Ware im Regelfall weiter oder tätigt selbst Anschaffungen. Daher muss er nur die Differenz zu der von ihm vereinnahmten Umsatzsteuer aus seinem Warenverkauf und dem Einkauf eigener Waren oder Dienstleistungen als Mehrwert versteuern. Daraus ergibt sich der Begriff der Mehrwertsteuer. Als indirekte Steuern wird die Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer nicht beim Verbraucher erhoben. Sie wird vielmehr vom Unternehmer, der die Güter oder Leistungen an die privaten Verbraucher liefert, an den Fiskus abgeführt. Der Unternehmer ist der Steuerschuldner. Derzeit erhielten etwa 120 Staaten in aller Welt die Umsatzsteuer. Sie macht fast überall ca. 25 % des Steueraufkommens aus, in Deutschland also ca. 75 Milliarden ?.

Videotipp zum Artikel "Wie funktioniert die Mehrwertsteuer?"

Historie der Mehrwertsteuer

Initiator der Mehrwertsteuer war in Deutschland Carl Friedrich von Siemens. Damals gab es nur die Umsatzsteuer. Die Unternehmer waren nicht vorsteuerabzugsberechtigt. Siemens kritisierte bereits 1919, dass durch den Weiterverkauf der jeweilige Verkaufspreis auch damit auch die Umsatzsteuer stetig anstiegen und die Produkte künstlich verteuerten. Unternehmen, die direkt den Endverbraucher belieferten, hatten dadurch gegenüber Unternehmen mit vielen Vertriebsstufen Wettbewerbsvorteile. Somit begründete von Siemens die Historie der Mherwertsteuer

Höhe der Mehrwertsteuer


Die Umsatzsteuer besteuert Lieferungen und Leistungen eines Unternehmens sowie die Einfuhr von Gegenständen. Der Regelsteuersatz beträgt in Deutschland 19 Prozent. Dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent unterliegen der Erwerb von fast allen Lebensmitteln (Ausnahme: Getränke und Gaststättenumsätze) Bücher und Zeitungen, Hotelübernachtungen und der Personennahverkehr. Alles andere wird mit 19 % besteuert (Stand 2012). Der Unternehmer ist verpflichtet, in seinen Rechnungen den Mehrwertsteuersatz und die Mehrwertsteuer betragsmäßig auszuweisen (§ 14 IV 8 UStG).

MwSt in anderen Ländern

In der Europäischen Union sind die Steuersätze nicht harmonisiert. Jeder einzelne Mitgliedstaat hat einen individuellen Gestaltungsspielraum. Die Europäische Kommission versuchte erfolglos im Rahmen der Abschaffung der Binnenmarktgrenzen ein einheitliches Mehrwertsteuersystem einzuführen. Immerhin wurden die Grenzformalitäten durch ein neues Kontrollsystem der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ersetzt. In diesem Zusammenhang wurden Mindeststeuersätze eingeführt. Der Mindeststeuersatz von 15 Prozent darf nicht unterschritten werden, der Ermäßigungssteuersatz muss mindestens 5 % betragen. Im Übrigen gilt nach wie vor das Bestimmungslandprinzip, nach dem jeder EU-Mitgliedsstaat den Mehrwertsteuersatz selbst festsetzt. Deutschland liegt mit 19 % im oberen Mittelfeld. Exemplarisch haben wir Österreich, Niederlande und die Amerika betrachtet.

Umsatzsteuer- Identifikationsnummer

Unternehmer, die innergemeinschaftliche Umsätze tätigen, benötigen eine USt-Identifikationsnummer (§ 27a UStG). Dieses Kontrollsystem ersetzt die abgeschafften Grenzkontrollen und bewirkt, dass der Inhaber der Nummer als Unternehmer steuerlich erfasst wird und eine Besteuerung von Umsätzen im Gemeinschaftsgebiet nach dem Bestimmungslandprinzip sichergestellt wird.

Gesetzliche Grundlage

Für die Umsatzsteuer ist das Umsatzsteuergesetz maßgebend. Es enthält zwar nur 27 Paragraphen, umfasst aber mit seinen Anlagen und der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung mehr als 130 Seiten (Beck-Text).

Kleinunternehmerregelung


Kleinunternehmer können sich von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen. Voraussetzung ist, dass der Umsatz im Vorjahr unter 17.500 EURO gelegen hat und im laufenden Jahr 50.000 EURO voraussichtlich nicht übersteigen wird (Stand 2012). Eine Dauerfreistellung wird nur gewährt, wenn die Umsätze jedes Jahr unterhalb von 17.500 EURO liegen. Kleinunternehmer dürfen in ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen und vereinnahmen den Rechnungsbetrag netto für brutto. Dafür kann der Kleinunternehmer Umsatzsteuer, die er selbst an seine Lieferanten zahlt, nicht als Vorsteuer abziehen.

Umsatzsteuer-Voranmeldung

Jeder Unternehmer ist verpflichtet, bis zum zehnten Tag nach Ablauf eines Voranmeldungszeitraums bei seinem Finanzamt eine Umsatzsteuer-Voranmeldung auf elektronischem Wege, ausnahmsweise auf einem amtlich vorgeschriebenen Vordruck, einzureichen. In dieser Voranmeldung muss er die Umsatzsteuer als Vorauszahlung selbst berechnen. Voranmeldungszeitraum ist grundsätzlich das Kalendervierteljahr. Beträgt die Umsatzsteuer weniger als 512 ?, kann das Finanzamt den Unternehmer von der Verpflichtung zur Abgabe der Voranmeldung und Zahlung der Vorauszahlung befreien. Ist der Unternehmer vorsteuerabzugsberechtigt, braucht er nur den Unterschiedsbetrag zwischen Umsatzsteuerschuld abzüglich der anrechenbaren Vorsteuer an das Finanzamt abzuführen. Dieser Betrag wird Umsatzsteuerzahllast genannt.

Soll- und Ist-Besteuerung

Die Umsatzsteuer entsteht bei der Soll-Besteuerung in dem Augenblick, in dem der Unternehmer die Leistung erbringt. Dabei kommt es nicht darauf an, ob er selbst den Kaufpreis für seine Leistung bereits erhalten hat. Bei der Besteuerung nach der Ist-Situation muss der Unternehmer die Umsatzsteuer erst dann an den Fiskus abführen, wenn er sie zusammen mit dem Kaufpreis von seinem Kunden erhalten hat. Der Unternehmer wird auf seinen Antrag hin nach der Ist-Situation besteuert, wenn sein Gesamtumsatz im Vorjahr nicht mehr als 125.000 EURO betragen hat oder er als Freiberufler tätig ist. Bemessungsgrundlage der Steuer sind dann nicht die vereinbarten, sondern die tatsächlich von ihm vereinnahmten Entgelte.

Umsatzsteuer-Nachschau

Außerhalb einer vorab angekündigten Außenprüfung kann das Finanzamt ohne vorherige Ankündigung während der Geschäftszeiten Grundstücke und Räume eines Unternehmers betreten, um eine zeitnahe Aufklärung umsatzsteuerlicher Sachverhalte zu ermöglichen (§ 27b UStG).



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